Der Jahreswechsel ist gerade begangen worden und schon muss ich mich mit etwas herumschlagen. Überall, auf fast jeder zweiten Seite, auf Twitter und natürlich auf Facebook und Flickr, und wie die Konsorten alle heißen, wird angekündigt, was das Zeug hält.
In der Summe sind es folgende 3 Projekte:
- 365 Projekt, jeden Tag ein Foto
- 52 Projekt, jede Woche ein Foto
- 12 Projekt, jeden Monat ein Foto
Mir läuft es kalt den Rücken runter. Okay. Man muss sicherlich differenzieren – dem einen mag solch ein Projekt helfen. Sich zu motivieren jeden Tag ein Foto zu machen und es zu veröffentlichen. Man lernt davon vielleicht auch einiges – technisch, gestalterisch und vielleicht steigert man auch etwas sein Durchhaltevermögen. Allerdings muss eines gesagt sein, wenn ich für jedes Foto das von diesen 365 schlecht ist, mir ein Haar ausreiße, dann vermute ich, dass mir am Ende des Jahres ein Glatzkopf im Spiegel entgegenscheint. Warum? Naja, die 365 Tage je ein Fotoprojekte sind zu 99,9999999% immer geprägt von Fotos, die meist kaum einen Schnappschusscharakter aufweisen. Eher Rumgeballer. Ohne Sinn und Verstand. Häufig scheint die Devise “ich muss ja heute noch ein Foto machen” Vater des Werkes zu sein.
Ach so – und bitte bitte bitte liebe Leute – schiebt eure Handybilder nicht noch durch Instagram, CameraFX oder Papercam. Was soll das? Die Fotos werden dadurch nicht besser – höchstens gefälliger.
Kurzum – von den 365 Tage Projekten halte ich gar nichts. Wem ich es empfehlen würde? Denen die ihre Kamera vielleicht kennenlernen wollen.
52 Wochen Projekt. Naja das ist schon besser, da macht sich der Autor vielleicht etwas einen Kopf, bevor er das Foto macht. Damit meine ich nicht etwas Blende, Verschluss oder den Ausschnitt – nein der Calle, ich, redet von einem Konzept. Aber leider ist dieses Konzept meist sucht man vergebens nach diesem Konzept. Unterschied ist dann meist nur – statt jeden Tag ein schwaches Bild zu sehen, kriegt man jede Woche eines zu sehen. Nicht viel besser.
12er Projekt. Jeden Monat eine Aufnahme (oder vielleicht eine Serie). Das klingt gut. Zwölf durchdachte Konzepte, die aufeinander aufbauen – oder auch nicht. Aber immerhin mit Konzept! Das wäre ja mal was. Dann würde sich der Fotograf vorher exakt Gedanken über die Kommunikation der Serien bzw. der 12 Aufnahmen machen und sie sehr stark ‘bauen’. Dabei spielen dann technische Gedanken kaum noch eine Rolle – das sollte ja alles logisch und verstanden sein. Mittel zum Zweck. (Außer man fährt eine sehr neue und ungewöhnliche Technikschiene)
Das hat Potenzial. Natürlich nur dann, wenn man nachdenkt und wirklich die 12 Bilder erarbeitet und nicht einfach nur ohne Hintergedanken fotografiert. So ein Konzept macht schon einen gehörigen Unterschied, besonders deshalb, weil man dann wesentlich konzentrierter Dinge beobachtet, wahrnimmt und somit auch fotografieren kann.
Ich möchte hier natürlich niemanden von etwas abhalten
aber seid mir nicht böse – ich schätze solche undurchdachten Fotografien meist gar nicht. Egal ob Sie analog (“soooo viel mehr Arbeit steckt dadrin”) oder digital entstanden sind. Völlig wumpe. Das Bild zählt in erster Linie, die Entstehung ist eher nebensächlich.
Eins noch – ich habe letztes Jahr (sofern ich mich richtig erinnere) 4 Serien fertiggestellt. Freie Arbeiten. Zwei möchte ich nicht veröffentlichen – zwei weitere empfinde ich als gut und “zeigenswert”. Summasummarum sind das 10 Bilder + noch 2-3 Einzelbilder, die ich gut finde.
Letztlich kann man froh sein, wenn am Ende eines Jahres 10 sehr gute (oder einige mehr oder weniger) Bilder übrig bleiben – das ist eine gute Ausbeute, auch wenn es nicht zufriedenstellend klingt. Trotzdem sind diese 2 Aufnahmen meist mehr Wert als alle anderen Fotos, die im Jahr entstanden sind.
Ansel Adams hatte da schon recht ..
“Zwölf gute Fotos in einem Jahr sind eine gute Ausbeute.” (Ansel Adams)



Herzlichen Dank Calle für diesen Beitrag.
Sei mir nicht böse, aber ich mach trotzdem mit meinem 365er-Projekt weiter. Einfach so, konzeptlos, intuitiv, spontan, mit dem iPhone, was mir halt in dem Moment gerade gefällt oder was ich sehe. Weshalb? Aus Spass an der Freude, mit dem iPhone KEINE perfekten Bilder machen zu müssen. Quasi als Gegenstück zur professionellen, akribischen Fotografie. Mach es dir einfach: Klicke diesen Link einfach nicht an.
http://www.flickr.com/photos/bildwerkstatt/sets/72157624454595683/
Liebe Grüsse aus der Schweiz und ein tolles, erfolgreiches 2012!
Sei mir nicht böse, aber ich schicke meine Handyfotos weiter durch Instagram.
Calle, ich denke die 365 Tage Projekte sind nicht Dich und mich gemacht! Daran beteiligen sich vor allem Leute, die viel Zeit haben, aber oft keinen Wert auf hohe Qualität legen. Deshalb sind diese Projekte nichts für mich!
Du schreibst in Deinem Beitrag etwas von Konzepten, auf die Du Wert legst, ehrlich gesagt habe ich mir über solche Konzepte noch nie Gedanken gemacht. Trotzdem habe ich natürlich Vorstellungen was ich, und eventuell wie ich etwas aufnehmen möchte.
Und wenn ein Herr Adams denkt, daß für ihn 12 gute Fotos in einem Jahr eine gute Ausbeute darstellen, dann ist es sicherlich in Ordnung! Mein Bestreben geht allerdings schon in die Richtung, daß es ein paar gute Fotos mehr sein dürfen und sollten!
Hallo Calle,
ich gebe dir zum einen Recht, dass viele 365er sehr langweilig sein können und qualität vermissen lassen…aber es gibt auch andere Bsp. wie das hier: http://www.flickr.com/photos/joel_r/sets/72157625510541642/ … am Ende sind es möglicherweise wirklich nur 12 Fotos (oder weniger) die ich wirklich sehr mag, aber Print Giveaways zeigen mir, dass die Wahrnehmung im Auge des Betrachters liegt und nicht in meinem Kopf von daher haben Fotos, die mir vllt. nicht zu 100 % gefallen auch ihre Berechtigung, so lange es Menschen gibt die sich daran erfreuen können.
Viele Grüße Normen
Hey Calle, deine Meinung in allen Ehren, aber ich kann dir (zumindest aus meiner Sicht) NICHT in allen Punkten zustimmen.
Ich habe selbst ein Projekt gestartet, dass sogesehen nicht mal in den o.g. Rahmen passt. Weniger als 52, aber mehr 12!
Es gibt ein Thema – zu den Feiertagen des Jahres. Ziel ist es eben genau sich VORAB Gedanken um ein Bild zu machen! Eine Anregung für ein Foto zu haben, einen Bezug zu finden und zu überlegen wie kann ich das umsetzen.
Okay, ein 365 Tage Projekt wäre auch nix für mich da ich das einfach nie und nimmer umsetzen kann. Wie die Qualität der Fotos ist wage ich hier nicht zu verherzusagen – ich tendiere aber eher in Richtung deiner Vermutung das es sich um Bilder mit Schnappschusscharakter handelt. Dennoch muss das nicht zwangsläufig heisse das sich der Fotograf keine Gedanken gemacht hat.
52er Projekt – gut, schon eher realisierbar, wäre für mich aber auch eine Spur zu Festgenagelt – habe ich keine Zeit. Aber auch hier kann man sich Gedanken machen, man hat ja schliesslich eine ganze Woche Zeit.
12er Projekt – mache ich bei einem mit (erstmals) und bin selbst auf die Entwicklung gespannt. Hier geht es bei mir aber eher darum die Entwicklung eines Ortes/Objektes festzuhalten.
Bei Instagram bin ich raus. Hab kein iPhone und poste kaum solche Bilder. Höchstens mal eins über Twitter.
Aber insgesamt sind doch all die Projekte und Veranlassungen sich daran zu beteiligen etwas das den Fotograf nach vorn bringen sollte. Er ist angeregt mehr zu fotografieren und sich dadurch zu verbessern. Das Glück ein GUTER Fotograf zu sein fällt ja nicht einfach so vom Himmel! Übrung macht den Meister und das Verbindet alle Projekte.
Und dennoch werden es insgesamt wohl max. 10 wirklich gute Fotos sein – da stimme ich auch Ansel Adams zu!
Hey Christina und ihr andere
schön das ihr eure Meinung kund tut. Freut mich.
Für mich ist immer eine der Entscheidenden Fragen ob man sich nicht eher verbessert wenn man gezielt (durch vorheriges erarbeiten des Fotos [konzept usw.]) hochwertigere Aufnahmen erstellt – dafür aber weniger, anstatt 1000de im Jahr zu produzieren und dann ein paar Glückstreffer zu landen.
Deshalb auch meine starke Abneigung gerade gegen die 365 Tage Projekte – das kann fast nichts werden. Positive Beispiele sind da doch die absolute Ausnahme, auch wenn natürlich das von dir Dietmar und das was du anführst Norman schon deutlich hochwertiger sind als die anderen (üblichen) 365 Tage Projekte.
Dietmar – ich kann dich gut verstehen, einfach mal “ballern” oder wie auch immer man das nennen mag. Ganz ohne Gedanken. Du bist denke ich auch weit über der Riege hinaus, die solch ein Projekt “zum lernen” macht.
Ich denke allg. der Lerneffekt ist recht gering bei so einer hohen Anzahl an Bildern.
Hallo
ein toller Bericht welchen ich voll und ganz akzeptieren.
Ich für mich habe ein 365 Tage Projekt in 2011 erfolgreich durchgestanden, hierbei wurden eine menge Bilder gemacht.
Welche mehr oder weniger gut sind.
Das wichtigste ist, Bilder zu machen. Ich Verfolge nun schon seit Jahren zahlreiche renommierte Fotoblogger… Die sehr viel lehrreiches schreiben…. diese würde bsw. mir gar nicht liegen, da ich lieber Fotografiere als einen Blogbeitrag zu schreiben. Ich bin ja auch kein technischer Redakteur.
“365 geht gar nicht” ist dann wohl nur Deine Persönliche Meinung…
Grüße Martin
Projekte (anderer) zwingen mich dazu etwas zu tun. Ich fotografiere aber um zu tun, was ich möchte. Ergo kann ich mich mit solchen Projekten nicht so recht anfreunden. Ich habe stets ein paar “Überschriften”, besser Thematiken, im Kopf, die ich abfrage, wenn ich unterwegs bin oder gehe ganz gezielt nach diesen Maßgaben hinaus. Dann sind es meine Projekte und ich entscheide wann gedrückt wird. Andere nennen das eben Konzept. Die von dir genannten Projekte können schon spannend sein, aber dieser Massenhype im Web und die kopflose Verfolgung von Projekten bringen selten Brauchbares hervor.
Auf der anderen Seite bringt auch das Gejammer darüber nichts. Aber wir jammern ja gern…
…ich persönlich finde auch die meisten dieser Projekte mehr schlecht wie recht. Es ist schön, wenn man sich ein Projekt und damit ein Ziel setzt, aber die meisten greifen mit 365 Bildern pro Jahr ganz offensichtlich etwas zu hoch. Da ist es schwer, eine gewisse Qualität zu wahren. Und nichts ist imho schlimmer, als sich zwingen zu müssen.
[...] Jahr beginnt mit Sekt, Böllern – und Fotoprojekten. Darüber kann man so oder so denken. Letzten Endes kommt es immer drauf an, was man draus [...]
[...] Calle hat ein paar Worte dazu verfasst, was er von diesen ganzen 365/52/12 Projekten hält, die am Anfang eines jeden Jahres aufs Neue wie aus dem Erdboden gestampft werden. Ich bin [...]