Die liebe zum Detail und zur Konzentration – PfL #1

November 22, 2011
Calle Hackenberg

 

Da hat Arte ja mal, was auf die Mattscheibe gebracht.

Herr Toscani versucht ‘die’ Nachwuchsfotografen der Zukunft zu formen. Das anhand von Aufgaben – Gesprächen – Konflikten. Und das in kürzester Zeit.

 

Erstmal zur Zusammensetzung und zur Stärke des Formats:

6 Jungfotografen – Coline (19), Matthieu (22), Caroline (30), Sima (26), Christian (29) und Suchart (20) – Österreicher, Deutsche, Franzosen. Verschiedenste Einstellungen zum Medium, verschiedene Verständnisse über die Kunst – verschiedenster Blicke auf das Bild. Das ist eine Menge Brennstoff. Aber da zeigt sich die Erste riesen Stärke des Formats – Pro7 und Co. würden gezielt die Konflikte anheizen, aufnehmen und verarbeiten. Hier nicht – das steht nicht im Vordergrund. Im Vordergrund steht nichts als das Medium Fotografie selbst.

 

Zunächst erklärt Toscani sich selbst und wird vorgestellt – daraufhin wird das Auswahlverfahren gezeigt und die einzelnen Personen, 6 an der Zahl von Herrn Toscani fotografiert. Darauf folgt ein Gruppenbild und dann schon die erste Besprechungsrunde – Mappenkritik. Und dort zeigt sich schon recht schnell das bei vielen die konzeptionelle Idee zwar häufig vorhanden ist aber es doch Schwierigkeiten gibt die Message über das Medium der Fotografie dem Betrachter zu vermitteln – Stichwort: Kommunikation(sdesign). Da mangelt es an vielen Ecken und Enden.

An dieser Stelle lässt der Mentor Toscani schon ganz klar durchblicken was er verlangt und was er nicht nachvollziehen kann.

 

Break – Moment das kenne ich doch?

Dann kommt die Aufgabe der Sendung – eine Aktfotografie innerhalb von 15 Minuten in einem Raum mit einer Lampe (mMn habe ich teils eine 2. gesehen) aufnehmen. Anschließend eine Stunde bearbeiten und dann Besprechung der Arbeiten. Während des Erstellens des Fotos sagt Toscani Dinge wie “Was guckst du auf den Monitor, wozu? Das Foto muss im Kopf im Herzen sein!”

Das kenne ich doch …

Ständig merkt er wesentliche Verständnisse seiner Interpretation von Fotografie an – zurecht aus meiner Sicht. Die meisten kenne ich, habe diese Sätze auch schon einmal gehört oder selber ausgesprochen.

Als dann alle durch sind mit dem Fotografieren und dem Bearbeiten folgt die Besprechung (das Herzstück der Sendung und einer jeden Arbeit). Und dort zeigt sich vor allem eines, was sich schon in den Mappen zeigte – klare Defizite in der Kommunikation und im Detail. Besonders zum Haare raufen empfand ich das übliche Phänomen des fotografierens und anschließend des Konzept ausdenkens. Sprich – erst fotografieren und dann, erst dann, sich Gedanken darüber machen WAS man DAMIT eigentlich aussagen will. Zum Glück ist der Herr Toscani wirklich gut und ertappt auf Anhieb solche Vorgänge und benennt Sie ganz klar. Ebenso nennt sagt er auch mal harte Worte, wenn ihm etwas nicht schlüssig erscheint oder schlichtweg nicht da ist. So kenne ich das auch.

… dejavue?

Die Fotos haben mich in den 15 Minuten wenig überzeugt – die Herangehensweise im Gespräch hat mich aber bestätigt.

 

Was redet der Autorvogel – also Calle da eigentlich?

Sagen wir es so. Ich kenne das Spiel. Wir machen es exakt auf dieselbe Art und Weise bei uns im EVA-Lehrgang mit André Hemstedt. Man muss aufhören sich Bilder schön zu reden und auch mal richtig harsche Kritik verkraften und verarbeiten. Nur das bringt einem Weiter. Das hat in gewisserweise wieder den “Scheiße-Stempel“-Charakter, aber es funktioniert. Diese Sendung hat mich sehr bestärkt in dem was ich denke über das Medium Fotografie, über die Kommunikation mit diesem Medium und auch ein Stück weit etwas wieder wachgerüttelt.

Interessanterweise hatte ich während des gestrigen Abends ein Gespräch mit einem BFF-Fotografen, der auf genau die selben Dinge größten Werte legte und sie fast Satz für Satz so erläuterte wie Herr Toscani es rund eine Stunde später tat. Die Welt ist gut! Manchmal :)

 

Noch etwas was mir nicht so gut gefallen hat:

- den Jingle finde ich etwas unseriös und die musikalische Untermalung empfinde ich als etwas “schwierig”

- einige Schnitte waren mir etwas zu abrupt (ich glaube ein paar mehr Minuten täten dem Format gut)

 

Mir hat die Sendung gefallen – ich werde die restlichen Folgen von heute Abend an 19.30 bis Freitagabend auf jeden Fall anschauen!

 

Und wie ging es euch mit der Sendung?

 

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  1. Felix says:

    Anfangs fand ich den Herrn Toscani arg abgehoben. Ich fand er drückt den 6 Leuten seinen Stempel auf und will, dass sie alles so machen wie er es gern hätte. Aber zum Ende der Folge hin wurde mir dann bewusst, was er eigentlich will. Ich schalte wieder ein…

  2. Die Einschätzung hatte ich auch erst, habe dann aber mich daran erinnert wie meine erste Bildbesprechung lief. Hatte auch den Eindruck der Dozent wolle “seinen Stil und seine Auffassung” dem Schüler einimpfen.
    Schnell wendete sich aber der Eindruck – sowohl in meiner Bildbesprechung als auch in der Sendung. Hoffe es geht so weiter.

  3. Pablo says:

    Ich war doch ziemlich gespannt auf die Sendung…
    Wie Felix konnte ich mich anfangs auch nicht mit Herrn Toscanis Art anfreunden, aber wenn man ein wenig drüber nachdenkt muss man ihm in den meisten Dingen doch zustimmen.

    Ich werde mir die anderen Folgen auf jeden Fall auch noch anschauen.

    Leider finde ich das gante zu sehr auf “Casting-Show” ausgelegt, ein wenig mehr “Ruhe” und Ernsthaftigkeit würde dem vielleicht gut tun… (Und ein paar Minuten mehr) Insgesamt aber doch ein cooles Konzept!

    Und bitte wer hat den die gruselige und nervige Musik darunter gelegt?!? :D

  4. Gerd says:

    Ich finde das ist ein interessantes neues Konzept das in der Sendung gezeigt wird und ich werde mir das weiterhin gerne ansehen.

  5. Thomas says:

    Danke für den tollen Tipp! Da hätte ich doch fast eine der wenigen wirklich interessanten Sendungen im deutschen Fernsehen verpasst!

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