Schockbilder – der Mann, der mit Werbung Politik macht

June 24, 2011
Calle Hackenberg

Meist kann man nicht in den Fernseher schauen. Nur Mist läuft da auf und ab. Castingshow an Castingshow, dazu noch etwas ‘Infotainment’ und noch eine Prise ‘Soaps’. Nicht zu vergessen ewige Wiederholungen von Serien, die seit 5 Jahren abgelaufenen sind. Unglücklicherweise – oder wie sich herausstelle glücklicherweise – schaut ich vor zwei Tagen, genau genommen am Mittwochabend fernsehen. Dort lief auf eins Extra, dem einzigen Sender auf den man sich verlassen kann, wenn man sich ein wenig weiterbilden möchte, mit Arte, etwas ganz wunderbares. Eine Dokumentation über den Fotografen Oliviero Toscani. Titel der Dokumentation ‘Schockbilder – der Mann, der mit Werbung Politik macht’.

Oliviero Toscani seines Zeichens Werbefotograf – der Mann der Benetton komplett ummodelierte und aus einem angestaubten Werbekonzept ‘United Colors of Benetton’ schuf. Über Jahre hinweg schaffte es Toscani mit großen Werbekampagnen Benetton ein Profil zu schaffen und das ohne das eigentliche Produkt zu zeigen. Eine Revolution in der Werbung. Erfolgreich, umstritten, genial und auch etwas fragwürdig – das war der Tenor auf die von ihm produzierten Bilder. In vielen Ländern durften die Bilder nicht mal gezeigt werden – oder zumindest einige nicht. Auch in Deutschland!

Die Dokumentation begleitet Toscani bei seinem aktuellen Projekt “Razzia Umana”, die menschliche Rasse, in dem es darum geht die Menschen los gelöst von Ihrem Umfeld zu betrachten und ein Gespür dafür zu schaffen, dass es keine Rassen gibt, sondern nur eine – den Menschen selbst. Unabhängig von Hautfarbe, Kultur und Glauben. Neben diesem Projekt, dass immer wieder gezeigt wird, läuft parallel ein Rückblick auf die Benetton-Kampagne. Wie es dazu kam, warum Toscani so arbeitete und wie er auf die Ideen für einzelne Werbungen kam. Zwischendurch werden dann noch einige durchaus brisante Informationen über Wegbegleiter, wie etwa Flavio Briatore erzählt und den Chef hinter Benetton – und warum die Zusammenarbeit letztlich zerbrach. Darüber hinaus bekommt man Einblicke in den Zustand des Konflikts zwischen Isreal und Palestina, denn dort fotografiert er momentan für sein aktuellen Projekt – mit seiner Tochter und seinem Sohn.

Alles sehr interessant, teilweise sachlich, teilweise subjektiv. Hervorragender Fotograf – hervorragende Dokumentation. Aber seht selbst…

Hier noch der Link direkt zur ARD Mediathek, die aber recht langsam ist.


Wie seht ihr diesen Ausnahme Fotografen? Was ist eure Meinung zur Doku?

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  1. Ein Interessanter Bericht. Ich bin immer daran interessiert, wie andere Fotografen arbeiten und vor allem Denken. Schön ist auch die Symbiose von seiner Aussage mit der Werbekampagnen und deren Kommerziellen Nutzung von Benetton zu sehen.
    Ein Wahrer Künstler bewegt mit seinen Bildern, und das macht er!

  2. Hendrik says:

    Absolut Großartig! Toscani is n hammer!! Schon immer gewesen. Danke fürs teilen Calle!
    In diesem Sinne ;) “Wir sind alle irgendwie Rassisten!”

  3. Fabian says:

    Ich muss sagen, ich halte gar nicht von Toscani. Weder von der Art wie er an die Menschen herangeht – mehr als grenzwertig, vor allem in Arabien – noch von der Wirkung die er erzielt. Er macht Werbung für ein Unternehmen, und versucht das mit Kritik zu kombinieren.

    Ich denke dieser Mensch denkt schlicht nicht über seinen eigenen Tellerrand hinaus, noch schlimmer finde ich dass ein Unternehme wie Benetton soetwas mitträgt. Er mag ein großer Kritiker sein, jedoch kanalisiert er seine Information in fatal falschem Wege.

    Ich finde an ihm ist ein großartiger Fotograf und Künstler verlohrengegangen, und ich sage das bewusst weil er unfähig ist seine Botschaft auf geeignetem Wege in die Welt hinauszutragen.

    Um so schöner finde ich festzustellen, dass meine Hernagehensweise genau die umgekehrt ist, und das ist auch gut so! Ich fotografiere die Menschen im Kontext der Umgebung, ich versuche mich den Menschen zu nähern, und nicht alla: “Komm verpiss dich aus meinem Bild” Bilder zu produzieren. Alleine der Satz:” Nein, du willst nicht? Schade…. schade für dich, denn du hättest für eine sekunde berühmt sein können” zeigen mir wie arrogant und ignorant dieser Mensch ist.

    Trotzdem danke fürs zeigen lieber Mitblogist :P

  4. Also wie er die Leute vor die Leinwand mehr oder minder zieht finde ich auch nicht umbedingt die feine Art – dennoch hat jeder jederzeit die Möglichkeit nein zu sagen.
    Das mit dem berühmt sein scheint durchaus humorvoll gemeint zu sein, zumindest ist das mein Eindruck. Arrogant wirkt das auf mich nicht.
    Die Kampagne bei Benetton ist sicherlich nicht jedermanns Sache – mir gefällt das provozieren und das spielen mit sehr kritischen Elementen sehr gut. Meiner Ansicht nach hat er versucht Benetton damit ein Antikriegs und Antirassismus Image zu verpassen. Hat vermutlich auch recht gut funktioniert. Jedenfalls sind alle Bilder bis in die Haarspitze durchdacht und funktionieren sehr gut. Zumidnest in meinen Augen.

    Grüße

    Calle ;)

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