Nach langer Zeit mal wieder ein neuer Artikel. Ich bin nun seit gut zwei Monaten in Indien und habe es leider bisher nicht geschafft einen Artikel zu veröffentlichen. Die Gründe dafür erläutere ich euch gerne, möchte aber erstmal etwas Allgemeines zu Indien, dem Land und den Leuten erzählen, so wie ich es erlebt habe.
Indien ist meiner Meinung nach ein schwieriges Land. Schwierig deshalb, weil sämtliche Regeln die man im Alltag gelernt hat hier nicht, oder nur eingeschränkt anwendbar sind. Indien wird oft von vielen Leute so beschrieben:“ Entweder man liebt oder man hasst es!“. Das würde ich so nicht unterstreichen, auch wenn ich eine sehr zwiespältige Meinung zu diesem riesigen Land habe. Vielleicht sollte ich erstmal meine Eindrücke schildern, wie ich dieses Land „erfahren“ habe…
Ich landete in Bombay, das entgegen meiner Befürchtungen sehr entspannt und angenehm ist. Ich reiste dann über Puna (wahrscheinlich die hässlichste Stadt Indiens) nach Hampi. Von dort viel zu schnell nach Bengalore und weiter nach Kerala. Nach 6 Tagen Strand gings zurück nach Bengalore und von dort mit dem Flieger nach Kalkutta wo ich eine Freundin traf. Ich vebrachte 3 Tage im Himalaya, in Sikkim, kam dann nach Kalkutta zurück, nahm meine Reisebegleitung mit und wir fuhren nach Varanasi, vermutlich der einzigen Stadt in der ich wirklich im Stande war gute Aufnahmen zu machen. Nach fünf Tagen Varanasi gings nach Agra, Mathura und Fatehpur Sikri. Dort reiste meine Reisebegleitung dann leider auf Grund von chronischer Diarrhö wieder zurück nach Hause und ich fuhr wieder alleine nach Rajasthan, genauer nach Jodhpur und Jaisalmer. Nach gut 2 Wochen Rajasthan gings in die Hauptstadt Dehli wo ich mich gerade befinde und diesen Artikel schreibe.
Leider habe ich während meines Indienaufenthaltes sehr viele Höhen und Tiefen durchlebt, mit zunehmender Reisezeit überwiegten die Höhen den Tiefen, insgesamt muss ich mir aber eingestehen, dass Indien nie zu meinen Lieblingsländern gehören wird. Auch hängt ein angenehmer Aufenthalt in Indien meiner Meinung nach maßgeblich von der Region ab. Was mich insgesamt eher enttäuscht hat, ist die Mentalität der Leute in diesem Land. Ich würde vieles auf die Überbevölkerung und den sehr niedrigen Bildungsstandard zurückführen. Leider habe ich das Land (mit wenigen Ausnahmen) als wenig Gastfreundlich erlebt, auch scheint der Begriff „Ehre“ nur sporadisch im Wortschatz vorzukommen. Jeder scheint hier irgendwie sein eigenes Ding zu drehen ohne Rücksicht auf Andere. Ein weiterer Punkt der mich während der Reise massiv gestört hat, ist die chronische Missachtung von Privatsphäre, ja es wird sogar alles dafür getan einen nicht in Ruhe zu lassen. Das fängt im Internetcafe an, in dem jeder Inder in deinen Bildschirm glotzt und dir auch noch dreist Fragen stellt, und geht beim Relaxen im Park weiter, wo ungefragt und mit voller Absicht voll ins Gesicht fotografiert wird, auch wenn man es ausdrücklich verboten hat.
Leider kommt es auch oft vor, dass man einfach nur als wandelnder Geldautomat behandelt wird - Du bist Weiß – Du bist Reich und kannst kräftig blechen. Das macht sich dann z.B. im täglichen Kampf mit Rikshawfahrer & Co oder auch bei offiziellen Stellen bemerkbar. Es kam nicht selten vor, dass ich mit der Faust drohen musste um zu meinem Recht zu kommen. Auch fand ich es extrem schwer echte tiefgründige Konversationen bzw. auch Freundschaften mit Einheimischen aufzubauen, am Ende gings in 95% der Fälle doch wieder ums Geld. Ich glaube, die Menschen haben mich am meisten Enttäuscht, dass alles zugemüllt ist (und mit alles meine ich wirklich alles!), und kein Fleck dieses Landes nicht mit Menschen vollgestopft ist, sodass es wenig Spaß macht durch den Sucher der Kamera zu schauen, lasse ich mal als Nebensache außen vor. Dies ist allerdings der Grund, warum ich selbst nach zwei Monaten kaum genug gute Bilder zusammenhabe um diesen Artikel zu publizieren.
Aber nun genug des Negativen, natürlich hat das Land auch einige positive Seiten. Ich bewundere das Improvisationstalent der Menschen hier. „Made in China“ ist schon echt mies, aber „Made in India“ ist wahrscheinlich der Inbegriff von Schrott. Es ist einfach erstaunlich was hier, und vor allem wie so repariert wird, dass es am Ende wieder halbwegs funktioniert. Als nächstes fand ich die Bandbreite an Landschaft, Kultur und Völkern beeindruckend, auf die man im Laufe seiner Reise stößt. Von reich bis bettelarm, von farbenfroh bis einfarbig, von Luxus bis total verdreckt findet sich in Indien alles zur gleichen Zeit, am gleichen Ort. Auch habe ich nie einen Inder, sei er noch so arm, jammern sehen. Das scheint wohl doch eher typisch europäisch, wenn nicht sogar deutsch zu sein.
Nun aber zum Land selber… Ich möchte euch über Orte berichten, die besonders gut oder besonders enttäuschend fand. Sehr gut hat mir Bombay gefallen. Die kosmopolitische Stadt ist in ihrem Stadtkern weder überlaufen, noch besonders hektisch und die Freunde haben eine gewisse angenehme Lockerheit, die den Aufenthalt zu einem Genuss macht.
Als weiteren wirklich sehenswerten Ort habe ich Hampi in Erinnerung. Diese riesigen alten Tempelanlagen zwischen balancierenden Steinen sind äußerst sehenswert, und wenn man sich ein Moped ausleiht kann man dort jede Menge Spaß haben. Leider leidet auch dieser Ort wieder unter der so typischen Müll-Menschenmassen-Dreck Problematik, die das Fotografieren nicht sehr angenehm gestaltet.
Kerala ist ein sehr interessanter Bundesstaat, den ich gerne länger und intensiver bereist hätte, hätte ich nicht am 3. März in Kalkutta sein müssen. Im Endeffekt habe ich dort nur Zeit am Strand verbracht, der war ganz nett, europäische Strände sind aber sauberer und frei von Gaffern. Nebenbei, auch Goa ist längst nicht mehr das Paradies. Wer Daueraussteigern (das meine ich auch Mental) beim chronischen Haschischkonsum zugucken möchte, ist hier richtig, aber das nur am Rande…
Kalkutta… Sehr schöne Kolonialarchitektur mit lustigen Menschen trifft auf grenzenlose Armut und Dreck, dass einem schwindlig wird. Bettler können einen (vor allem in Massen) schon arg auf den Pelz rücken, nerviger empfinde ich allerdings sogenannte Volontärs, die meinen die Welt retten zu müssen, und keinerlei Verständnis dafür aufbringen, dass man selbst einfach nur reist. Zudem sehe ich die Armutsproblematik als Resultat falscher Politik und Überbevölkerung, sodass ich es persönlich als fragwürdig erachte 3 Wochen lang, in einer der 10000 NGO’s (non – goverment organisations), den guten Europäer zu spielen.
Varanasi, einer der magischen und heiligen Orte Indiens, die wirklich magisch sind. Die Atmosphäre, die an den Ghats (Treppen ins Wasser) herrscht, ist wahrhaft überwältigend, und das Beste: Sofern man 5.00h morgens aufsteht hat man auch ca. 1h gutes Licht und keine Menschenmassen (Ruderbootsschlepper, Touris, möchtegern Holymen etc…), die einem das Bild eintrüben. Die Menschen dort strapazieren schon arg die Nerven, aber das macht die Stadt mit ihrer Schönheit wett.
Rajasthan… Eines der beliebtesten Bundesstaaten in Indien. Recht arm, aber die Menschen sind wahrscheinlich Indiens ehrlichste, die man trifft. Es gibt wohl kaum mehr Forts, Paläste oder sonstige Vergnügungsgebäude für Sultan & Co als in Rajasthan. Ich verbrachte ungeplant 9 wunderbare Tage in Jodhpur, der blauen Stadt, die im Gegensatz zu Jaipur (Pink City) auch wirklich blau ist. Ich gebe zu, ich habs einfach mit Wüsten oder wüstenähnlichen Gegenden…
Delhi, die Hauptstadt ist ausgesprochen grün, und auch die Leute dort sind sehr verträglich. Eine durchaus angenehme Metropole, die so einige Schmankerl zu bieten hat. Wird oft schlechter geredet, als die Stadt in Wirklichkeit ist. Zudem funktioniert mal wirklich was hier: Die Metro!
Nun zu den Orten die mich kaum beeindruckt haben… Als erstes wäre da Puna zu nennen. Selten habe ich eine so dermaßen hässliche Stadt erlebt, überwältigender Dreck trifft auf nervige aufdringliche Bevölkerung gepaart mit IT-Hochhäusern und spirituellen Spinnern, die versuchen einem längst schon toten und fragwürdigen Guru zu huldigen. Dass ich in dem stinkenden Hotel nur 3h geschlafen habe, den Nachtzug und den öffentlichen Bus 11,5h (ja ich schreibs nochmal aus: Elfeinhalb Stunden!!!) mit Magenbeschwerden,zwischen Indern eingequetscht, nach Hampi genommen habe, ist eine andere Sache…
Sikkim… Ist jetzt nicht so uninteressant gewesen. Die Landschaft ist sehr schön, der Himalaya ist schon einzigartig, allerdings lässt sich der Einheimische das auch kräftig bezahlen. Da man in dieser Region leider auf Jeeps angewiesen ist, braucht man entweder eine große Gruppe oder jede Menge Geld wenn man was erleben möchte. Ich hatte leider keines von beidem, so „relaxte“ ich 3 Tage in einem äußerst überschaubaren Dorf. Das Wort „Trampen“ ist ein Fremdwort dort, Rupien, Dollar, Euro und sogar der gute alte Schweizer Franken sind wiederum ein Begriff… komisch, warum nur?!
Agra… Pahhh, wie ich sie hasse: Diese einen ständig von der Seite blöde anquatschenden Schlepper. Man trifft sie in Agra leider überall. Auch Rikshawfahrer und Taxifahrer könnte ich jeden Tag aufs Neue verprügeln, und ich bin ein äußerst friedvoller Mensch… Ach ja das Taj Mahal steht da noch… Ja, schön ist es schon, aber es gibt besseres.
So zu guter Letzt möchte ich noch ein kleines Resümee und ein paar Tips geben. Indien ist schon arg „Crazy“, die volle Bandbreite an allem, was man sich vorstellen kann. Ob man das mag oder nicht, muss man wohl oder übel selbst erfahren. Wie die Werbung hier schon selbst sagt – Incredible India!
Dinge, die man in Indien auf keinen Fall machen sollte/man wissen sollte/unbedingt tun sollte:
- Inderinnen sind tabu! Tus nicht auch wenns einfach ist, du handelst dir nur Ärger ein.
- Reise nicht zu schnell, es macht dich fertig. Pro 200km Distanz kann man je nach Region bis zu 4-5h Fahrzeit rechnen, und da lob ich mir sogar die Regionalzüge der DB her. Drei Tage an einem Ort sind schon angebracht um sich zu erholen (sofern das Hotel gut ist).
- Nimm Busse nur für kurze Distanzen (max. 5h Fahrtzeit), schlafen ist da nicht drin!
- Öffentliche Busse nur für Kurzstrecken (max. 1h), man glaubt nicht wie viele Menschen in so eine ungefederte TATA-Mühle reinpassen.
- Frauen aufgepasst! Sofern Madame nicht auf Sextourismus aus ist, hat Sie es in Indien nicht gerade leicht. Mich nervt das ständige angequatsche schon, aber als Frau… Holla die Waldfee! Ich habe eine Norwegerin mit strohblonden Haaren getroffen, die hat sich Freiwillig verhüllt!
- Probier in Bombay unbedingt einen leckeren Mangolassi aus!
- Nimm immer, wenn du das Hotel verlässt Klopapier mit!
- Loperamid und Ciprofloxazin werden deine besten Freunde (wer nicht weis das ist, Wikipedia hilft gerne weiter)
- Leih dir Mopeds aus, so oft es geht – Es gibt kein angenehmeres Fortbewegungsmittel
- Reise am besten nicht allein im Süden, Backpacker triffst du nur selten, Hippies und andere Spinner dagegen in Hülle und Fülle.
- Nehme für lange Distanzen Nachtzüge und buche rechtzeitig vor. Klimaanlagen im Zug führen meiner Meinung nach nur zu Halsweh und Erkältung statt zu Schlaf.
- Schaue, dass du immer ein gutes Hotel/Guesthouse erwischst, das ist maßgeblich für deinen Wohlfühllevel zuständig. Gute Tips vom Personal sind Gold wert.
- Vergiss Reiseführer! Vor allem Lonely Planet – Indien ist zu dynamisch als dass irgendein Reiseführer wirklich mitkommt. Am besten Reisende nach Meinungen fragen!
- Für die Fotografen unter euch: Stative sind oftmals nicht erlaubt! Polfilter, versauen je nach Winkel zur Sonne oft das Bild. Nehmt lieber eine gute Portraitlinse mit, das geht in Indien immer!









Es gibt einfach Länder, die wirken so anders auf uns, dass fast jedes Bild eine Veröffentlichung wert ist. Indien eins davon.
Allerdings hat es bei Dir auch mit den Bildern an sich zu tun.
Danke für die Impressionen
Hi Fabian,
schöne Bilder (besonders die letzen 2) und netter Text
Jetzt hast du aber bei mir wieder Reisewut ausgelöst und das Semester hat gerade erst angefangen =(
Aber mal im Ernst, den LP kann man wirklich egal für welches Land in die Tonne kloppen – gibt wenig schlechtere Reiseführer…
Viele Grüße
Alexander
Hallo Fabian, Du gehst ja ziemlich harsch mit meinem heimlichen Traum um! Ich finde deine Bilder sprechen eine andere Sprache. Die sind wirklich wieder wunderschön!!
Hallo Fabian,
das tut mir leid für Dich, dass Deine Reise momentan so wenig entspannend verläuft und Du wenig Motive bzw. Motivation zum Fotografieren findest.
Ich habe geglaubt, in Indien finden sich Motive in Hülle und Fülle.
Eine Indienreise war auch immer schon mein Traum, Deine Erfahrungen relativieren das Ganze jedoch etwas.
Vielen Dank für den ausführlichen Bericht.
Ich wünsche Dir viel Spaß bei Deinen weiteren Etappen
Christine
ich denke es muss jeder seine eigenen erfahrungen machen. ich möchte hier keine träume zerstören, ich schildere lediglich, wie ich dieses land erlebt habe.
wenn ihr mit jeder menge müll und menschenmassen auf einem bild gut klar kommt, ist das land für euch fotografisch geeignet…
Hey Fabian,
habe gerade dein Interview auf Zeit-Online gelesen. Habe auch nach meinem Studium eine einjährige Reise nach Australien, Neuseeland und Thailand gemacht und bin begeistert von deinen Bildern.
Mit was für einem Equipment fotografierst du?
Grüße und noch viel Erfolg und tolle Eindrücke
Michael
an sich interessanter beitrag, der aber zum teil ziemlich harte ansagen mitbringt (geldautomaten, frauen, etc.): hast du schon mal darüber nachgedacht, wie sich europäer in indien in den letzten drei jahrhunderten benommen haben, respektive sich immer noch benehmen?(kleiner tipp: spiegel)
über “überbevölkerung” und “bildungsstandard”(du meinst eher “bildungsniveau”) sollte man auch nur schreiben wenn man sich damit auskennt. es ist ein bisschen schade um deine eindrücke, die in dieser form mehr über dich und dein weltbild (das imho nicht das eines gebildeten menschen ist) aussagen als über indien und seine menschen.
Hi,
vielen Dank für die interessanten Einblicke und die schönen Fotos!
Mich würde auch mal interessieren, mit welcher Kamera und welchen Objektiven du fotografierst?
Viele Grüße
Jonas
Moin Moin,
ich bin zwar nicht Fabian, dennoch weiß ich aber als Betreiber des Blogs mit was er fotografiert.
Canon 5d Mark 2
Canon 85 mm 1,8/f
Canon 17-40mm 4/f
Ich glaube er hat auch noch ein 50mm dabei, aber das kann er sicher besser beantworten, sobald er wieder Internet an
Zu Thomas Kommentar möchte ich kurz noch ein paar Worte verlieren – der erste Absatz lässt mich doch etwas zweifeln, ob du wirklich jemanden vorwerfen willst, der seine Eindrücke (subjektiv(!)) schildert, sich nicht damit auseinander gesetzt zu haben. Den Spiegel sich vorzuhalten finde ich auch keinesfalls hier passend, da Fabian auch nicht repräsentativ für die letzten 3 Jahrhunderte steht oder für den typischen Touri aus Europa.
Fabian beschreibt, dass es seiner Meinung nach überbevölkert ist und etwas über den Bildungsstandard, so wie er ihn erlebt hat. Ich wüsste nicht, was daran verwerflich sein sollte, insbesondere dann, wenn man es tatsächlich so erlebt hat. Verwerflich hingegen finde ich aber das du das ummünzt auf ein Weltbild und auf seine Person, das ist nicht nur grotesk sondern auch nicht haltbar.