Endlich ist es soweit, nachdem nun fast schon die 4. Woche anbricht, schaffe ich es über die erste Woche, auf dem Weg zu meinem Fotografendasein, zu berichten. Wovon ich spreche? Wie ich schon vor einiger Zeit berichtet hatte, werde ich Fotograf, mit staatlicher Gesellenprüfung, durch den EVA-Lehrgang des Photo+Medienforums Kiel. Der gesamte Lehrgang setzt sich zusammen aus:
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10 Monate (2 x 8 Wochenblöcke/Jahr) in Kiel mit Theorie und Praxis
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20 Monate in ausgewählten Praktikumsbetrieben
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2-wöchiges Managementtraining
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2-wöchige Projektarbeit
- 3-wöchige Prüfungszeit
Quelle: EVA Homepage – dort finden sich auch weitere Details zur Bewerbung und Ähnliches.
Momentan haben wir einen der 8 wöchigen Schulblocks, das heißt, ich berichte von meiner ersten “Schulwoche”. Wobei ich mich da schon korrigieren muss, es handelt sich eigentlich nicht um eine Schule, sondern um eine Art Konzept, welches ich in keiner Form bisher so gekannt oder gar erlebt habe.
Montag:
Am Montag stand zunächst ein gemeinsames Mittagessen, mit Lehrgangsleiter Frank Becker und allen Schülern (oder auch EVA’s genannt) auf dem Programm. Nach kurzer Abtastphase ergaben sich direkt erste Gespräche und das leckere Essen trug seinen Teil zur guten Stimmung bei. Irgendwie kam es direkt zu einer gewissen familiären Stimmung, obwohl sich die meisten noch gar nicht kannten (, einige wiederum hatten sich schon beim Tag der offenen Tür kennengelernt, ich gehörte nicht dazu). Der EVA-Lehrgang 2010 VII war geboren, mit 8 fotografiebegeisterten.
Nachdem auch wirklich jeder satt war, ging es rüber in den “Klassenraum”. Warum “Klassenraum”? Naja, also ich war bisher keine “Klassenräume” gewöhnt, die bis unter die Zähne mit Technik besetzt waren, sei es ein hochwertiger Beamer, Verkabelung für jede Art von medialen Spektakel (PC, Mac), Stativ für Videoerklärungen, elektrische Jalousien, dazu natürlich obligatorisch Flipcharts, Overheadprojektor und, und, und. Das Ganze in einem sehr großen angenehmen Raum, neue Tische und Stühle. Rein von der Ausstattung her hatte ich schon den Eindruck das hier an nichts gespart wurde, da sollte ich recht behalten …
Dann stellten sich eine Vielzahl von Dozenten und Verwaltungsangestellte vor, welche uns die nächsten Jahre begleiten werden. Als dann die Vorstellungen abgeschlossen waren, in denen schon deutlich wurde, dass die klassische Distanz zwischen Lehrer und Schüler hier nicht im Vordergrund steht, sondern das miteinander lernen und arbeiten, wurde uns das Ganze Haus gezeigt. Dazu gehören unter anderem zwei komplett ausgestattete PC-Räume, 3 Studios (mit einer Menge Equipment von Hensel und Multiblitz Blitzen, Lichtformern, Folien, Stativen, Kameras (Hasselblad!), Objektiven, Portys, VFlats, Fachkameras und, und, und), eine Vielzahl von Unterrichtsräumen, Keller inkl. komplett ausgestatteter Dunkelkammer, Minilabs und ein top ausgerüsteter neuer Mac-Raum, mit Softproof Arbeitsplatz, Scannern, einer Vielzahl von iMacs, Grafiktablett und, und, und – wie gesagt, gespart wurde da sicher nicht. Sicherlich habe ich hier eine Menge an Details vergessen, wie etwa das kleine “Kamera Museum” mit einigen Oldies. Nach der Hausbesichtigung und der obligatorischen Frage, ob man sich das alles ausleihen dürfe und der Antwort: “Ja, natürlich.” gingen alle frohen Mutes nach Hause. Kleine Seitennotiz: Die 8 EVA’s stammen aus Neumünster, Heikendorf, 2x Uelzen, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Kiel/Plön (ich!). Die Jüngste ist 18 Jahre alt, der älteste 29, der Rest siedelt sich zwischen 19 und 21 an. Bunt gemischte Truppe.
Dienstag:
In der ersten Doppelstunde stellte sich uns dann Bettina Bogya vor, die uns fortan in Gestaltung und Kommunikation unterrichtet. Die Doppelstunde fing (natürlich) mit einer Kennenlernrunde an, ging dann weiter mit der Wissensvermittlung von Elementen einer Komposition und endete mit selbst entworfenen schematischen Skizzen zu einzelnen Elementen, wie etwa Figuren. Schon während dieser ersten Unterrichtsstunde wurde vom Sie auf das Du gewechselt, Frau Bogya oder von nun an Betti, eingeschlossen, was ich als sehr angenehm empfand.
Daran anschließend hatten wir das erste Mal Unterricht mit Frederieke Coring im Fach Gestaltungspraxis, was nichts anderes hieß als ab ins Studio. Dort wurde uns dann auch direkt das Du angeboten und dankend angenommen. Dort wurden dann erst mal die Grundkenntnisse auf einen gemeinsamen Nenner in der Gruppe gebracht, was Blende, Verschlusszeit u.ä. anging. Anschließend wurde uns im Detail erklärt, wo wir was im Studio finden und wie wir es zu benutzen haben. Daraufhin folgte eine kleine Aufgabe, in der wir uns gegenseitig fotografieren sollten, damit wir ein Gefühl für die Studioblitze bekommen. Wir waren voller Eifer und mit Feuer und Flamme bei der Sache – nicht zuletzt, weil wir uns auch sowohl das Objektiv, als auch die Kamera aussuchen konnten, mit dem wir dann arbeiteten. Irgendwie ein geiles Gefühl …
Völlig in die Aufgabe eingetaucht, vergaßen sogar einige das Mittagessen und selbst danach verflog die Zeit weiter, sodass wir etwa 20 Minuten überzogen hatten. Die Konsequenz war, dass unser Wirtschaftslehrer Herr Christ auf einmal hinter uns Stand und fragte, ob wir die neuen EVA’s seien. Dann ging es alles ruckzuck, alles zusammengepackt und verstaut und ab ins Klassenzimmer zum Wirtschaftsunterricht. Dieser gestaltete sich (vor allem dank des witzigen und kompetenten Lehrers), trotz aller Befürchtungen, seitens der “ich hasse Zahlen-Fraktion” als sehr interessant und spannend. Es wurde viel diskutiert, über das Wirtschaftssystem Deutschlands, die Preisstruktur, Monopole und mögliche Verbesserungen. Randnotiz: Alle Dozenten waren sehr humorvoll, gaben viel Wissen weiter und ließen Gespräche – optimal.
Mittwoch:
Michael Nagel – ein Mann eine Mission, alles, was es an Kameras, um Kameras herum und sonst alles Technisches gibt, zu erklären – bis jeder es verstanden hat. Seine Qualifikation? X Jahre bei Nikon gearbeitet, genialer Fotograf und dazu noch Workshopleiterund nebenbei noch (Hardcore) Tester für verschiedene Hersteller bei seinen Workshops in Skandinavien bei -37°C und mehr. Was soll ich sagen außer schlichtweg genial? Nicht viel außer noch super witzig und kompetent. Man kann ihn sich so ein wenig vorstellen wie ein Bastler, der quasi jeden Vorteil eines Systems/Objektives und Nachteil kennt und am liebsten aus allen Vorteilen eine einzige Kamera zusammensetzen würde. Der Unterricht gestaltete sich mit vielen praktischen Beispielen, wie etwa Vergleich von Snapshotbildern und Bildern einer 100€ PointandShoot-Knipse, das durchprobieren von bestimmt 10 verschiedenen Kameras und all so was. Des Weiteren zeige uns Michael immer noch, was wirklich welche Einstellung konkret an jeder Kamera macht und wie man damit etwas “spielen” kann – das Ganze passierte dann an einer Kamera, die von einer Videokamera gefilmt wurde, welche wiederum per Beamer uns das Ganze in groß an die Leinwand zauberte. Einfach nur WOW!
Anschließend gab es noch eine kurze Einführung von Frank Becker selbst in den Mac Raum, speziell eben das arbeiten mit einem iMac und keinem PC. Ich verabscheue diese Geräte, auch wenn ich Zwangshaft mit Ihnen werde wohl arbeiten müssen. Danach war dann Schluss für den Mittwoch, man sollte sich morgen im Studio treffen zu einem Broncolor Workshop.
Donnerstag:
Fassen wir es kurz und knapp – der Vertreter von Broncolor/ Imaging für den Norden Deutschlands hielt drei Vorträge á 50 Minuten über verschiedene Generatoren und Blitze die Broncolor anbietet. Dabei wurden auch viele technische Details erläutert, etwa der Unterschied zwischen t0,5 und t0,1 bei Blitzabbrennzeiten, die Farbentwicklung bzw. Farbkurve und solcherlei. Das Ganze wurde uns 8 + einem Meisterlehrgang (etwa auch 8 Leuten) erzählt. Anschließend baute der Vertreter zwei SetUps auf, an denen wir uns dann austoben durften – zum einen der Paraschirm von Broncolor mit einem 2,20m Durchmesser und einem Ringblitz und zum anderen ein SetUp in dem wir Highspeedaufnahmen machen konnten, sprich Dinge ins Aquarium fallen lassen. Zugegebenermaßen habe ich von den Vorträgen nur etwa 80% verstanden, trotz Vorwissen. Ich denke aber, die Veranstaltung war dennoch ein sehr cooles Angebot und sicherlich eine einmalige Geschichte sich mal intensiv mit einem Paraschirm auseinanderzusetzen. Das war es dann auch für diesen Tag – nein war es nicht, denn …
man traf sich an diesem Abend mit einigen Dozenten und einigen anderen Angestellten (in leitender Position) und ging gemeinsam schön beim Italiener essen. Der Abend gestaltete sich sehr nett, auch wenn ich durch das Chaos in meiner Wohnung (durch den Umzug und durch die Renovierung) erst etwas Probleme hatte mich in dieser Situation wirklich wohl zu fühlen. Ab dem Zeitpunkt wo es dann aber so weit war, war es nur noch AWESOME – ein Haufen fotografiebegeisterter Schüler mit humorvollen, sympathischen Dozenten zusammen an einem Tisch bis knapp 12 Uhr Nachts war schon ein einmaliges Erlebnis. Ich hoffe das wiederholt sich bald das einmalige Erlebnis
Freitag:
Ein weiterer Dozent, gerade mal Mitte zwanzig, stellte sich mit dem Namen Frank vor, Frank Sperling. Seines Zeichens zukünftig mit dafür zuständig, dass wir uns gut mit Photoshop, Lightroom und Konsorten auskennen. In knapp 4 Stunden konnte ich trotz meines (denke ich) recht ordentlichen Vorwissens eine Menge dazulernen – was das war und was ich euch davon zeige möchte, (und das möchte ich unbedingt!) werdet Ihr demnächst in neuen Videotutorials sehen. Es wäre schwierig jetzt hier genaustens rauszufisseln was wir dort alles gelernt haben, aber eins sei gesagt, es war eine Menge – u.a. Masken, Auswahlen und Retusche betreffend. Vor diesem Unterricht hatten wir bereits mit Herrn Radzuweit zusammen uns an das Thema Sozialversicherungen ran gearbeitet, was sie sind, wofür sie sind und woher sie stammen.
An diesem Freitag wurde uns dann auch offenbart, dass uns Matthias Matthai besuchen kommen wird und als Gastdozent noch mehr in Photoshop mit uns eintauchen wird in einer der nächsten Wochen. Super genial!

Quelle: EVA Macht Fotografen – Die EVA’s das erste Mal im Studio (Dienstag), mich sieht man hinten links. Das ist übrigens eins von den drei Studios, eines der beiden kleineren.



irre. bin neidisch. darf man fragen, ob du ein stipendium bekommst? ich meine.. wie finanziert man die monatlichen studiengebühren plus eine eigene wohnung in kiel.. ?
grüße und glückwünsche zu so einem coolen ausbildungsstart!
bedor
Nein, ich bekomme kein Stipendium. Die Kosten für den Lehrgang kann ich momentan nicht selber tragen, dieser wird also momentan von meinen Eltern übernommen. Ähnlich verhält es sich mit der Wohnung, wobei ich mir diese ja mit meiner wundervollen Freundin teile.
Allerdings wird sich das grundsätzlich etwas ändern, sobald der Praktikumsblock anfängt, da dann entsprechend geregelte Einnahmen reinkommen.
Das klingt ja wirklich klasse, Calle!
))
Bin ziemlich erschlagen! Naja kein Vergleich für das was du empfunden haben musst
*grummel*
Jetzt werd ich aber auch neidisch.
Hört / liest sich nach einer coole Ausbildung – da wünsche ich dir natürlich maximale Erfolge.
Das klingt wirklich nach einer sehr praxisnahen Ausbildung. Ich bin gespannt, mehr zu lesen.
Gruß Michael
@maik – ist halt in der Tat wirklich eine super geniale Mischung.
@michael – ja, darauf wird auch größten Wert gelegt, da es eben nicht mit der regulären verschulten Berufsschulausbildung zutun haben soll. Eine Prüfung müssen wir zwar auch am Ende bestehen, der Rest läuft aber eigentlich komplett anders.
Teil zwei erscheint dann morgen!
Ich empfinde einen leicht gestiegenen Neidfaktor
Gleich werde ich mal den zweiten Teil lesen und ich denke, ich werde diese Serie mal den Mädels weiter empfehlen, die sich so in der letzten Zeit bei mir für Praktika beworben haben.
Wieso waren das eigentlich nur Mädels? *grübel*
Kenne schon einige Fotografen, die EVA durchlaufen haben. Alles gute Leute. Wünsche Dir viel Vergnügen bei dem Lehrgang. Und ich finde es toll, dass Du uns mit durch den Lehrgang nimmst
Wird denn am Ende eine “echte” Gesellenprüfung abgenommen?
Wenn Ja, kann man an der Schule denn anschliessend auch seinen Fotografenmeister machen?
[...] Teil 1 und Teil 2 der bisherigen Serie [...]